Trendfolge – Vorsicht falscher Freund

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Trendfolge oder „The Trend is your friend“. Jeder, der sich mit der Börse beschäftigt, kennt diesen Ratschlag. Und jeder befolgt sie. Oder vielleicht lieber doch nicht? Wie im täglichen Leben gilt auch an den Märkten. Mit dem Strom schwimmen ist nicht immer die beste Idee. Und gute Freunde sind ein Schatz, den es zu hüten gilt. Vor falschen Freunden muss man sich aber in Acht nehmen. Daher gilt bei der Trendfolge eine wichtige Grundregel zu beachten: The Trend ist NOT your friend…

Trendfolge – der vermeintlich heilige Gral?

Vorweg gleich eines: Trendfolge Strategien können Sinn machen. Trendfolge ist per se nicht schelcht. Aber warum sich das (Börsen) Leben schwer machen, wenn es auch einfacher geht? Zunächst muss man jedoch mit einem Missverständnis aufräumen. Trendfolge hat nichts mit Markttechnik zu tun. Markttechnik ist nichts anderes als eine 100 Jahr alte Theorie (ob es jetzt genau 100 Jahre sind spielt keine Rolle). Markttechnik ist das deutsche Modewort für die „Dow Theorie“. Die 1-2-3 Muster der Markttechnik, nach der (leider) viele Trader handeln, sind also ein alter Hut. Und noch dazu ein Hut, den man nicht anprobieren (quantifizieren) kann, auch wenn manche Backtesting Programme vorgeben, es zu können (was nicht 100% korrekt ist).

Aber alles, was man nicht quantifizieren kann, ist eine Blackbox. Man weiß nicht, ob das, was man macht, funktioniert. Und was ist denn „Trading nach Markttechnik“ überhaupt, denn diese Aussage lässt einen großen Interpretationsspielraum. Wie steigt man ein, pro- oder antizyklisch. Wie sieht die Ausstiegsregel aus? Was ist mit dem Position Sizing? Ob das Absicht der Protagonisten ist, die diesen Ansatz vermarkten? Wir lassen die Antwort offen. Fakt ist: wenn das Trading nach Markttechnik beim Trader nicht funktioniert, dann ist er selber schuld. Denn was kann die Markttechnik dafür, dass das 1-2-3 Muster nicht richtig „gelesen“ wurde? Sagt der, der diesen Ansatz propagiert. Aber eine Leseschwäche ist nicht dafür verantwortlich, das der gelesene Text keinen Sinn ergibt.

Trendfolge widerstrebt dem Grundprinzip eines statistischen Effektes

Trader handeln einen statistischen Effekt. Dieser Effekt tritt sofort ein, nachdem ihn ein bestimmtes Marktverhalten ausgelöst hat. Und dieser Effekt verpufft auch rasch wieder. Und was ist dann? Was „macht“ man dann mit dem offenen Trade? Beenden! Und dann gleich einen neuen statistischen Effekt suchen. Und diesen wieder traden. Was macht der Trendfolger, um wieder beim Thema anzuknüpfen? Er bleibt im Trade drin, auch wenn der Effekt längst verpufft ist. Und wie hilft er sich dann? Er beginnt, den Trade zu managen! Aber wie soll man den Trade managen? Soll man anschieben, während der Trade an Bar 15 oder 25 angekommen ist? Wenn die Wirkung des Entrys längst verpufft ist und man sich wundert (oder ärgert) weil die Aktie einfach nicht mehr steigen will? Da kann man sich auf den Kopf stellen, man kann mit Exit Algos herumhantieren etc. Es wird nicht (viel) nutzen. Das Pferd ist tot. Also heißt es absteigen und ein neues Pferd suchen. (Disclaimer: wir mögen Pferde)

Die Faustregel spricht gegen die Trendfolge

Die richtige Faustregel beim Aktienhandel lautet daher: a good Entry is your friend! Der gute Einstieg wird es (eine Zeit lang) richten. Ganz ohne weiteres Zutun. Ganz ohne Stopploss (aber das ist ein anderes Thema) und mit einem guten Risikomanagement (Position Sizing, Hedging) dahinter. Trendfolge kann nicht der Freund des Händlers sein, weil jedes Einstiegssignal nur wenige Einheiten (Tage, Stunden etc.) wirkt. Bleibt man zu lange positioniert, dann übernimmt der Markt den Trade. Und der Markt kann es aus statistischer Sicht niemals gegen einen (guten) Entry aufnehmen.

Trendfolge ist angenehm zu handeln, aber was hilft das?

Trendfolge ist auf den ersten Blick ideal, weil man damit Gebühren spart und nicht so viele Trades absetzen muss. Trendfolge ist somit auch praktisch für den berufstätigen Trader, weil er nicht täglich handeln muss. Aber was hilft das, wenn diese Technik nachweislich deutlich schlechter funktioniert als andere Methoden? Wenn man Gebühren sparen will, sucht man sich einen gute und günstigen Broker. Wenn man es praktisch findet, selten zu traden, weil man keine Zeit/Lust hat, dann sollte man seine ganzen Ambitionen hinterfragen. Denn praktisch wäre vieles, was eben leider nicht sinnvoll oder zielführend ist.

Es ist schlicht und einfach beim Aktienhandel nicht möglich, mit Trendfolge Modelle Reversionsansätze wie die Strategien bei moomoc dauerhaft zu schlagen. Weil Trendfolge nicht besonders gut funktioniet. Weil der Trend schwach ist, auch wenn ihn jeder mit freiem Auge (vor allem im Nachhinein) erkennt. Als Trading System taugt Trendfolge nur bedingt, obwohl die Beimischung eines prozyklischen Modells, dass dann aber besser ein Break Out Ansatz mit kurzer Haltedauer sein sollte, durchaus Sinn macht. Wohlgemerkt als Beimischung. Nicht als Kernstrategie.

Fazit Trendfolge

Der Trend ist ein falscher Freund, der vorgibt, praktisch und gut zu sein. Doch in keiner quantitativen Analyse kann er diese Versprechen einhalten. Dabei lügt der Trend ja gar nicht. Er sagt nur nicht die ganze Wahrheit. Was ist dann die Wahrheit? Immer in ein fallendes Messer greifen, aber vorher das Fangen gut üben. Sonst kann man sich schlimm verletzen. Was übrigens eine andere Börsenweisheit ist, die nicht korrekt ist. Aber darüber sprechen wir ein anderes Mal.

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